Der westliche Ansatz im Kalten Krieg und danach, stützte sich auf die Fähigkeit, jeden militärischen Gegner durch den Erwerb von hochmodernen, übertechnisierten und kostspieligen bemannten Flugzeugen und Munition finanziell zu übertrumpfen. Die Vorherrschaft im Luftraum und die starke Abhängigkeit von Luftangriffen, d.h. der Luftkrieg waren das doktrinäre Ziel.
In ähnlicher Weise ging der Trend in der Seekriegsführung hin zu Investitionen in immer größere Flugzeugträger und die dazugehörigen Flotten von Unterstützungsschiffen.
In der Landkriegsführung lag der Schwerpunkt im Irakkrieg auf Panzern, die die Verteidigungslinien durchbrachen und durchstießen – obwohl dieser Ansatz vom Westen in der Ukraine nach der Wende zum drohnengeführten „Grabenkrieg“ an der Front im 21. Jahrhundert aufgegeben wurde.
Dann kam der Iran-Krieg von 2026, dessen asymmetrisches Modell konventionelle Doktrinen auf den Kopf stellte. Anstelle der Lufthoheit strebte der Iran keine Luftüberlegenheit an, sondern vielmehr eine fortgeschrittene Raketenhoheit über den Luftraum. Anstelle militärischer Infrastruktur an der Oberfläche wurden Raketenarsenale, Abschussanlagen und ein Großteil der Raketenproduktion über die riesigen geografischen Gebiete des Iran verteilt und tief in unterirdischen Raketenstädten und Gebirgszügen verborgen.
Der entscheidende Wandel hin zum asymmetrische Ansatz war jedoch das Aufkommen leicht verfügbarer, billiger Komponenten. Während der Westen Millionen von Dollar für jeden Abfangjäger ausgab, gaben der Iran und seine Verbündeten nur Hunderte aus.
In ähnlicher Weise hat die Innovation der Hisbollah mit ihren glasfasergesteuerten Drohnen den Krieg im Südlibanon verändert – und israelischen Panzern und Truppen schwere Verluste zugefügt, bis zu dem Punkt, an dem die Israelis gezwungen sein könnten, sich aus gewissen Positionen zurückzuziehen.
Ebenso stellen Asymmetrie und Innovation auf See die traditionelle westliche Abhängigkeit von großen, schweren Kriegsschiffen und Flugzeugträgern auf den Kopf. Letztere sind zu großen „weißen Elefanten“ im Krieg im Persische Golf geworden, da sie durch Drohnenschwärme und die Bedrohung durch Schiffsabwehrraketen so weit von der iranischen Küste verdrängt werden, dass die Angriffsfähigkeit ihrer deckgeschützten Kampfflugzeuge durch die Notwendigkeit eingeschränkt ist, über dem Zielgebiet von Tankern nachzutanken.
Kurz gesagt: Ein Flugzeugträger flößt nicht mehr so viel Furcht ein wie einst; er strahlt nur mehr Verwundbarkeit aus. Der Westen ist ein schwerfälliger Riese geworden, der es verabsäumt hat, den neuen asymmetrische Krieg zu verstehen – geschweige denn vorauszusehen.
Die europäischen Eliten könnten feststellen, dass ihre Unterstützung ukrainischer Drohnenangriffe tief in Russland in naher Zukunft eine andere Reaktion nach sich ziehen könnte. Die Warnungen wurden ausgesprochen. Werden sie erhört werden?
P. B.
Beirat für WPol im LV
Mai 2026
