Nach dem 2.Weltkrieg wurde das erheblich zerstörte und zerbombte Land bis 1955 von den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt und die Hauptstadt Wien gemeinsam besetzt. In der russischen Besatzungszone wurden die meisten Industriebetriebe demontiert. Die gesamte dort noch verbleibende Industrie war der russischen Verwaltung (USIA) unterstellt und arbeitete nur für den Bedarf der Sowjetunion. Die österreichischen Erdölvorkommen wurden massivst ausgebeutet. Die Sowjetunion hatte auch aus diesem Grund größtes Interesse, den Abschluss des Staatsvertrages hinauszuzögern. Ein weiterer Grund war, dass Österreich zusammen mit der neutralen Schweiz einen effektiven Sperrriegel zwischen dem Nord- und dem Südteil der NATO bildete. Überflüge von Tirol durch die amerikanische Luftwaffe 1958 (Libanonkrise) lösten internationale Verwicklungen und ein Angebot der Sowjetunion aus, kostenlos Flugabwehrraketen in Tirol zu stationieren.
Bereits am 27. April 1945 versuchte man, ein Heeresamt zur Auflösung der deutschen Wehrmacht auf österreichischem Staatsgebiet und zur Vorbereitung einer Aufstellung eigener Streitkräfte zu schaffen. Der Alliierte Rat, eine von den 4 Siegermächten beschickte Kontrollorganisation, verhinderte jedoch alle Versuche zur Bildung eines österreichischen Heeres und verfügte im November 1945 die Auflösung des Heeresamtes. Mit Beginn und dem Fortschreiten des Kalten Krieges änderten die drei Westmächte ihre Haltung und stellten am 1. August 1952 in ihren Zonen eine bewaffnete Eingreiftruppe auf, die sogenannte B-Gendarmerie. Sie wurde von der normalen Gendarmerie (Polizei) abgetrennt und unterstand dem Innenministerium. Der Meinungsumschwung wurde hauptsächlich durch die Machtübernahme der Kommunisten 1947 in Ungarn und 1948 in der Tschechoslowakei herbeigeführt, also in Ländern in engster Nachbarschaft zu Österreich.
Innerhalb der B-Gendarmerie wurde in jeder der 3 Besatzungszonen ein „Alarmbataillon“ aufgestellt, welches sogenannte „Fahreinheiten“ zugeordnet erhielt. Diese „Fahreinheiten“ verfügten über leichte amerikanische Panzerspähwagen M8, die in ziemlich schlechten Zustand und ohne den nötigen Ersatzteilvorrat übergeben wurden. Die 3,5 cm Kanonen waren ausgebaut und verblieben unter alliierter Kontrolle in eigenen Lagern.
Bis 1954 gab es neun Infanteriebataillone, drei mechanisierte Aufklärungskompanien, ein Pionierbataillon und mehrere ortsfeste Versorgungszentren von insgesamt etwa 6.000 Mann. Bewaffnung, Ausrüstung und Versorgung erfolgten ausschließlich durch die US-Armee. Das Material wurde leihweise zur Verfügung gestellt und ist, soweit noch vorhanden, bis heute Eigentum der USA.
P. B.
Beirat für WPol im LV
Mai 2026
