Am 24. März 2016 erschießt der israelische Sanitäter Elor Azaria in Hebron den bereits am Boden liegenden Palästinenser Abed al-Fattah al Aharif – elf Minuten nachdem dieser durch einen ersten Schuß neutralisiert worden war. Die Szene wird durch einen palästinensische Aktivisten gefilmt, das Video verbreitet sich weltweit. Ein Militärgericht verurteilt Azaria wegen Totschlags zu achtzehn Monaten Haft. Er sitzt neun Monate davon ab. Was danach folgt, ist für die Frage nach israelischer Straflosigkeit gegenüber Palästinensern aufschlussreicher als das Urteil selbst: Premierminister Benjamin Netanyahu fordert öffentlich seine Begnadigung, nach seiner Entlassung wird er in Hebron als Held gefeiert, und Hamas kommentiert die Freilassung „als offizielle Ermutigung zum Töten“, die das Ausmaß des systematischen Staatsterrors widerspiegle.
Aus dem verurteilten Totschläger wird ein politisches Kapital: Ein israelischer Vizeminister engagiert ihn für für seine Wahlkampagne, Azaria berät seither informell israelische Soldaten darüber, „wie man in den Gebieten dient“. Zehn Jahre nach der Tat, im Sommer 2026, geht die Rehabilitierung in die nächste Runde: Verteidigungsminister Israel Katz beantragt beim Staatspräsidenten die vorzeitige Löschung von Azarias Strafregister – gegen den ausdrücklichen Wunsch der eigenen Armeeführung, die darauf hinweist, dass Azaria niemals Reue gezeigt hatte. Der Fall Azaria ist damit kein Ausreißer, sondern die Blaupause für ein wiederkehrendes Muster: Gewalt gegen wehrlose Palästinenser wird gefilmt, empört arabische Follower international, wird halbherzig geahndet – und endet in politischer Aufwertung der Täter. (Quellen: aljazeera.com, theintercept.com, middleeasteye.net).
Vor wenigen Tagen wurde auf news.orf.at über genau diese Geschichte ausführlich berichtet. Und am 22. 09. sprach unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Rande der UN- Vollversammlung in New York, dass die Vertreibung alteingesessener Palästinenser im Westjordanland einer Verletzung des Völkerrechts wäre und Kriegsverbrechen ähnlich komme. Die israelische Replik kam am 23. 09. und führte zu empörten Reaktionen, vor allem vom israelischen Außenminister Gideon Saar, der meinte, Van der Bellen solle sich schämen. Aber auch Oskar Deutsch, Präsident der israelischen Kultusgemeinde in Österreich meldete sich zu Wort. Dieser postete auf X, dass Van der Bellen kein Wort zur existenziellen Bedrohung durch palästinensische Terrororganisationen gesprochen habe.
Das Klima wäre verbesserungsfähig, zumal sich auch andere Staatenlenker mit ihrer Kritik an Israel nicht zurückhielten.
P. B.
Beirat für WPol im LV
September 2026
