Skip to content Skip to sidebar Skip to footer

Der 1. Weltkrieg dauerte in der Zwischenzeit schon 2 Jahre und die russische Armee hatte am Beginn des Krieges zwei Drittel Ostpreußens und fast ganz Galizien besetzt. Doch im Jahre 1915 gab es mehrere Offensiven der Mittelmächte und Russland musste sowohl die Bukowina als auch Galizien wieder räumen. Vor dem Hintergrund einer Munitionsversorgungskrise und vorhergegangener Niederlagen räumten die russischen Armeen nach und nach die zu Russland gehörenden Teile von Polen sowie Litauen und Teile des heutigen Belarus.

Im Frühjahr 1916 gingen russische Truppen jedoch beiderseits des Naratsch-Sees in Weißrussland direkt gegen deutsche Stellungen vor und dies vor allem als Reaktion auf ein Hilfegesuch der westlichen Verbündeten. Die Schlacht scheiterte, Russland verlor etwa 100.000 Soldaten und der Frontverlauf änderte sich nur marginal.

Am 4. April 1916 berief der russische Generalstabschef Michail Alexejev seine sämtlichen Frontbefehlshaber in das russische Hauptquartier nach Mogilew. Er plante eine Offensive im nördlichen und nordwestlichen Frontabschnitt. Die Frontbefehlshaber lehnten jedoch ab, nur der neuernannte Befehlshaber für die Südwestfront, General Alexei Brussilow, wollte sich der großen Aufgabe stellen.

Am 4. Juni 1916 begann die Großoffensive. Sie erfolgte in drei Phasen, bzw. an drei großen Angriffsabschnitten:

1. Phase: im Norden gegen die k.u.k. 4. Armee, im Zentrum gegen die k.u.k. 1. und 2. Armee sowie die deutsche Südarmee, und im äußersten Süden gegen die k.u.k. 7. Armee. Gleich zu Beginn erzielte die Zarenarmee mit der Einnahme von Luck am 7. Juni und im Süden mit der Einnahme von Czernowitz am 18. Juni beachtliche Erfolge. Dabei wurde die k.u.k. 4. Armee im Gebiet um Luck weitgehend zerschlagen. Lemberg wurde noch nicht eingenommen.

2. Phase: Ab dem 4. Juli versuchte General Brussilow den Angriffserfolg im Norden auf Kowel auszudehnen, scheiterte jedoch am Fluß Stochod im Abwehrfeuer deutscher Reserven. Im Zentrum waren die russischen Erfolge relativ bescheiden, nur die Stadt Brody wurde erobert. Weiter südlich galt die deutsche Süd-Armee wegen ihrer Abwehrerfolge gegen die russische 7. Armee bald als „Fels in der Brandung“. Im äußersten Süden, an den Flüssen Dnjestr und Pruth errang die 9. russische Armee einen überwältigenden Erfolg gegen die k.u.k. 7. Armee und somit war Ungarn ernsthaft bedroht. Dies ermunterte Rumänien am 27. August der Entente beizutreten.

3. Phase: Ab dem 28. Juli scheitert im Nordabschnitt der russische Angriff zur Umfassung von Kowel unter schweren Verlusten für die russische Garde. Auch der Angriffserfolg der russischen 9. Armee in der Bukowina und an den Karpaten stieß Mitte August 1916 durch verstärkten Widerstand der Mittelmächte, sowie mangels eigener Reserven an seine Grenzen.

Die Brussilow-Offensive kam schließlich im September 1916 zum Erliegen. Sie gilt als eines der erfolgreichsten Großunternehmen der Entente, weil sie die k.u.k. Armee an den Rand des Untergangs brachte. Nur durch deutsche Hilfe ist dieser verhindert worden. Erst jetzt stimmte die Donaumonarchie dem deutschen Drängen nach einem einheitlichen Oberbefehl an der Ostfront unter deutscher Führung zu. Fast eine Million Tote, Gefangene und Verwundete beklagten die Mittelmächte. Die russischen Verluste von zwei Millionen Soldaten, davon die Hälfte Gefallene, waren ebenso erschreckend. Um diesen hohen Preis hatte man die Mittelmächte im Südabschnitt des Frontensystems jedoch nur zwischen 50 und 120 Kilometer zurückdrängen können.

Die politischen Folgen waren verheerend, denn die Verbitterung der Russen über die großen Opfer für bescheidene militärische Ergebnisse trug nicht unwesentlich zum Ausbruch der Revolution von 1917 bei. Später wurde dann die Zarenfamilie ermordet und der Kommunismus geboren.

P. B.
Beirat für WPol im LV
Juni 2026

Kommentar hinzufügen