Viereinhalb Jahre nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine schaut es für den Aggressor gar nicht gut aus. Die „Spezialoperation“ ist längst einer permanenten Mobilisierung gewichen und der Kreml kämpft nicht nur an der Front, sondern zugleich um die Stabilisierung seiner Binnenökonomie. Die nun vorhandene Kriegswirtschaft ruht auf drei ziemlich labilen Säulen:
1.) Der fiskalische Kreislauf: dieser versorgt den Krieg und die innere Sicherheit mit hohen Budgetmitteln und weitet sich permanent aus. Mehr als 40 Prozent der föderalen Mittel fließen heute in diese Bereiche.
2.) Der finanzielle Kreislauf: Dieser verschmilzt Banken und Staat zu einem geschlossenem System. Über russische Staatsanleihen saugt der Finanzsektor private Einlagen auf und leitet sie an den Staat weiter. Die Renditen sind hoch, bergen aber eine wachsende Schuldenfalle.
3.) Der industrielle Kreislauf: Dieser bindet ganze Regionen in den Rüstungskreislauf, sichert so Beschäftigung und verhindert soziale Unruhe. Zugleich entzieht er den zivilen Bereichen Kapital, Know-how und Arbeitskräfte.
Mit den US-Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft vom Oktober 2025 hat sich die Lage für Russland erheblich verschärft. Zusätzliche Sanktionen bei Finanztransaktionen und stetig wachsende Zahlungshindernisse treffen die russische Ölindustrie hart. (Quelle: reuters.com)
Russlands Militärausgaben betragen derzeit etwa 7 Prozent des BIP und für den Kreml bedeutet das eine dreifache Belastung: Sinkende Einnahmen, wachsender Finanzierungs- bedarf der Energieunternehmen und zunehmende Abhängigkeit vom chinesischen Yuan. Russland kann zwar alte Anlagen modernisieren und Kapazitäten erweitern, doch die dafür benötigten Komponenten, Maschinen, Mikroelektronik, Optik und Industrieroboter stammen überwiegend aus China. Russlands Abhängigkeit von China wird sich weiter vertiefen, denn immer größere Teile des Außenhandels müssen in Zukunft über chinesische Banken und Abrechnungssysteme abgewickelt werden. Und China kontrolliert nicht nur die Preise sondern auch Zahlungsströme und Kreditbedingungen.
Für Russland bedeutet das den schleichenden Verlust seiner finanziellen Souveränität.
P. B.
Beirat für WPol im LV
30. September 2026
