Während oben auf der Straße von Hormus die Tanker blockiert werden und der Ölpreis ungeahnte Höhen erreichte, tickt tief unten eine ganz andere Zeitbombe: die Unterseekabeln am Grund der Straße von Hormus.
Wie die Agentur Reuters kürzlich vermeldete, hat der Iran selbst erst vor Kurzem auf diese kritische Daten Infrastruktur aus empfindlichen Glasfasern hingewiesen. Diese Kabeln sind öfters sehr dünn, kaum dicker als ein Gartenschlauch. Anders als in der Tiefsee der großen Ozeane, liegen sie in der Straße von Hormus relativ nahe an der Meeresoberfläche, meist nur zwischen 150 und 200 Metern. Das macht sie zu einem relativ leicht angreifbaren Ziel für Taucher, kleine U-Boote und Militär.
Das Problem dabei: Über diese Route rauscht ein riesiger Teil des Internetverkehrs zwischen Europa, Asien und dem Mittleren und Fernen Osten. Die Golfstaaten pumpen Milliarden in die KI und die digitale Zukunft, und alles hängt an diesen digitalen Leitungen. Ähnlich wie bei North Stream, genügt ein mittelgroßer Sprengsatz und eine riesige Lebensader ist gekappt.
Zwar wäre Experten zufolge ein kompletter Internet-Ausfall eher unwahrscheinlich, zumal es ja Umleitungen gibt. Aber massive Störungen, stunden- und tagelange Verzögerungen und Netzausfälle sorgen vor allem in den Sektoren Finanzen, Handel und Cloud-Dienste für garantiertes Chaos. Satelliten wie Starlink sind zwar für die notdürftige Kommunikation und einige Basics nützlich, doch sie können das Datenvolumen der Unterseeleitungen niemals ersetzen. Außerdem lassen sich die Datenströme nicht einfach umschalten.
Der Iran selbst hat – in drohender Absicht – eine Karte mit den Positionen der Kabeltrassen veröffentlicht und die Meerenge als digitalen Schwachpunkt bezeichnet. Bisher blieben die digitalen Leitungen zwar verschont, im Gegensatz zu einigen Rechenzentren der Golfregion, vor allem in den Emiraten und Katar, die bereits von iranischen Raketen getroffen wurden. Doch je länger der Krieg andauert, desto größer wird das Risiko durch gezielte Sabotage. Ein kleiner Treffer unter Wasser – und eine halbe Milliarde Menschen befinden sich im digitalen Blackout.
P. B.
Beitat für WPol im LV
Mai 2026
