Umberto Eco („Im Namen der Rose“) mag zwar ein begnadeter Autor gewesen sein, ein guter Historiker war er aber nicht. Denn wenn er meint, “dass es nur ein lapidares Kapitel in der Geschichte des Planeten ist, der die Kulturen seit jeher im Gefolge großer Migrantenströme entstehen und vergehen sah“, dann kennt er nicht die Theorie zum Aussterben des Neandertalers (28.000 v.Chr.) durch die Invasion des Homo Sapiens und hat nie vom „Seevölkersturm“ gehört (1.200 v.Chr.), der selbst die alt-ägyptische Herrschaft Ramses III. erschütterte.
Das, was wir heute sehen, ist eine fatalistisch-masochistische Nonchalance der multipluralistischen Gesellschaften in Westeuropa, wenn sie diesen „großen Austausch der Kulturen“ willenlos über sich ergehen lassen. Und Umberto Eco weiter: „Die dritte Welt klopft an die Pforten Europas, und sie kommt herein, auch wenn Europa sie so nicht hereinlassen will. Das Problem ist, dass Europa im nächsten Jahrhundert ein vielrassiger und vielfarbiger Kontinent sein wird…. Wenn es uns gefällt, umso besser, wenn nicht, wird es trotzdem so kommen“.
Eigenartigerweise wird mit linkem Multi-Kulti-Geschichts-Lapidarismus gerade nämlich aufklärerisches, historisches Denken verneint: Nämlich…. „dass die Vernunft die Welt beherrsche, dass es also auch in der Weltgeschichte vernünftig zugegangen sei“. (Hegel: „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“). 1500 Jahre nach der antiken Barbaren-Invasion ins Römische Reich suggerieren postmoderne Theoretiker, dass sich eben alles nur noch einmal wiederholen müsse. Denn so wie damals würde eben nur eine „neue ethnische Mischung in den Zielländern“ entstehen – „so wie einst in Sizilien eine nicht sehr große Anzahl von Normannen einen blonden und blauäugigen Menschenschlag hinterlassen hat“. Die Auswirkungen von Völkerwanderungen hatten fast ausschließlich negative Folgen für die autochthone Bevölkerung, wie etwa die Eroberung der Angelsachsen (Jüten, Sachsen und Angeln vom benachbarten Festland) in England beweist. Es kam zur völligen und raschen Veränderung der Siedlungsmuster und der materiellen Kultur. Die Liste ähnlich verheerender Auswirkungen lässt sich beliebig fortsetzen: Durch die spanisch – portugiesische Eroberung Nord- und Südamerikas (ab 1492) wurden alle alt-amerikanischen Zivilisationen (Inkas, Azteken) zerstört und zwangschristianisiert. Die Folge war ein demographischer Kollaps: Von 11 Millionen sank die indianische Bevölkerung Mexikos (bis 1600) rapide auf 2,5 Mio., dann (bis 1650) auf 1,5 Mio! Ähnlich die Kolonisation Nordamerikas (ab 1587) mit Zwangsumsiedlung (1832 bis 1842) der Indianer und letztlich der Auslöschung und Untergang ihrer Kultur. Die britische Kolonisation Australiens (ab 1787) führte zu einer Beinahe-Ausrottung der Aborigines. Und die russische Eroberung Alt-Sibiriens (1581 – 1914) war eine der größten Bevölkerungsverschiebungen. Sehr häufig wurden einheimische Frauen entführt und als Ehefrauen oder Konkubinen an Siedler verkauft.
Und zu guter Letzt: Man stelle sich vor! Es hätte Kaiser Augustus damals nicht nur den Verlust von drei Legionen im Teutoburger Wald (9 n.Chr.) mit drastischen Worten („Varus, gib mir meine Legionen wieder!“) beklagt, sondern er hätte auch noch die Ereignisse (wie heutige Kommentatoren) im politisch-korrektem Toleranz-Geschwafel umgewertet, unter dem Diktat eines postmodernen Relativismus von Inklusion und multikultureller Diversität…….
………kann man denn derartige Trotteleien durchgehen lassen ?? Europa, wache auf !!
P. B.
Beirat für WPol im LV
Jänner 2026
Bild: unterrichten.zum.de (Wanderungen des zweiten bis fünften Jahrhunderts.)
