Anfang des 18. Jahrhunderts beherrschte Schweden das Baltikum, doch schon bald wurde Zar Peter der Große von Russland zu einer ernsthaften Bedrohung. Der ehrgeizige Schwede Karl XII. hatte bereits einige Siege über Peter davongetragen, schlug jedoch die Chance für einen vorteilhaften Frieden in den Wind. Im Sommer 1707 fiel Karl XII. in die Ukraine ein, konnte jedoch trotz des Beistands der ukrainischen Kosaken keinen entscheidenden Sieg erringen. Von der russischen Armee verfolgt, litt das schwedische Heer bald unter Hunger und harter Witterung. Im Sommer 1709 befand sich Karl in einer verzweifelten Lage: Er war bei der Belagerung der Festung von Poltawa am Worskla-Ufer durch einen Streifschuss verwundet worden und musste das Kommando an Marschall Carl Gustaf Rehnskjöld abgeben. Inzwischen hatte sich Peters Armee in der Nähe hinter den Belagerungsschanzen stationiert. Am 8. Juli setzten die zahlenmäßig unterlegenen Schweden alles auf eine Karte und griffen an, mussten jedoch bereits vor Beginn der Schlacht durch erfolglose Angriffe auf die russischen Schanzen erste Verluste einstecken.
Der Angriff der Schweden trieb das russische Zentrum zurück, doch die nachrückenden Truppen wurden durch deren Flanken eingekesselt und schließlich durch die Kavallerie vollständig vernichtet. Der Rest der Armee ergab sich drei Tage später. Karl XII. floh in den Süden ins osmanische Reich und wurde dort fünf Jahre gefangen gehalten, während Zar Peter den politischen Aufstieg Russlands feierte.
Peter der Große hatte Russland von 1682 bis 1725 von einem rückständigen Land am Rande Europas in eine fortschrittliche Militärmacht verwandelt. Er modernisierte seine Armee mithilfe ausländischer Experten und stattete sie mit Uniformen und Waffen, darunter Steinschlossgewehre und Belagerungsgeschütze, nach neuestem westlichen Muster aus. Außerdem ersetzte er die traditionelle Militärelite der Strelitzen (= bezahlte Palastgarde) durch zarentreue Garderegimenter. Er baute eine moderne Flotte und verlagerte Russlands Machtschwerpunkt durch die neugebaute Hauptstadt St. Petersburg auf das Baltikum. Der unaufhaltsame Aufstieg Russlands zur Großmacht konnte beginnen.
P. B.
Beirat für WPol im LV
Jänner 2026
Foto: Flickr.com – Cha già José
