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Die Osmanen hatten Wien erstmals 1529 unter Süleyman dem Prächtigen belagert, doch die
Wiener konnten ihn erfolgreich zurückschlagen und damit einem Jahrhundert der osmanischen Expansion ein Ende setzen. Wien hatte daraufhin seine Befestigungsmauern verstärkt.
Bis ins 17. Jahrhundert erlebte das Grenzgebiet zwischen Habsburg und Osmanen durch den 1664 geschlossenen Frieden von Eisenburg eine lange friedliche Phase. Die überwiegend protestantischen Ungarn zogen die Religionsfreiheit, die sie unter den Osmanen genossen, der religiösen Unterdrückung ihrer katholischen Nachbarn vor. Die Habsburger brachen den Frieden 1682, indem sie in Ungarn einrückten. Als die Ungarn Konstantinopel um Unterstützung braten, rückte Großwesir Kara Mustafa Pascha mit einer Streitmacht von über 100.000 Mann, darunter Ungarn und Krimtataren, in Ungarn ein.

Kara Mustafa belagerte die Hauptstadt der Habsburger ab dem 14. Juli 1683. Wiens Militärguoverneur Ernst Rüdiger von Starhemberg wies die traditionelle Aufforderung des Gegners zur Kapitulation zurück, während Kaiser Leopold 1., dem die Flucht Wien gelungen war, verzweifelt zuerst Frankreich, dann die Fürsten in Deutschland und den König von Polen und Litauen um Beistand für die belagerte Stadt ersuchte.

Am Anfang der zweiten Belagerung Wiens befand sich 15.000 Verteidiger in der Stadt.

In Erwartung einer osmansichen Angriffs verbarrikadierten die Wiewner die Stadttore, verstärkten die Stadtmauern, errichteten Bastionen mit Verteidignungstürmen und legten einen inneren Schutzwall an. Die Gebäude rund um die Stadt wurden bereits vorher abgerissen, um der Artillerie ein freies Schussfeld zu ermöglichen.

Zu ihrer Verteidigung gegen Artilleriebeschuss hoben die Osmanen lange schützengräben in Richtung Stadt aus. Bis Anfang September war es ihnen gelungen, einen Teil der Stadtmauern zu sprengen, indem sie darunter Tunnel gruben und diese riesigen Mengen Schießpulver füllten und zur Explosion brachten. Am 8. September wären die Osmanen beinahe bis ins Stadtzentrum vorgedrungen, nur mehr ein Drittel der verteidigungstürme war einsatzfähig und auch die Munition ging zur Neige.

Als Antwort auf den Hilferuf Kaiser Leopold 1. Half Papst Innozenz XI., ein katholisches Heer des Heiligen Römischen Reichs mitzufinanzieren. Die Fürsten von Bayern und Sachsen schickten Truppen, ebenso Portugal, Spanien, Venedig sowie König Johannes III. Sobieski von Polen und Litauen. Schließlich marschierte ein mehr als 70.000 Mann starkes Heer nach Wien. Als es die Donau überquerte, stand die Stadt kurz vor der Kapitulation. Die Truppen sammelten sich im Norden der Stadt auf dem Kahlenberg und kündigten ihre Ankunft dusch Signalfeuer an.
Die Schlacht begann frühmorgens am 12. September unter dem Oberkommando des polnischen Königs. Um die Stationierung gegnerischer Geschütze zu behindern, griffen die Osmanen zuerst an. Daraufhin ritt die Heilige Liga mit ihren schwarzen Pferden geschlossen aus, in den Worten eines türkischen Geschichtsschreibers als ob eine alles verzehrende Flut von schwarzem Pech die Berge hinunterfloss. Die hochdisziplinierten Truppen eroberten rasch strategisch wichtige Positionen und bis Mittag hatten die Osmanen bereits hohe Verluste erlitten. Am frühen Nachmittag griff die polnische Infanterie an einer neuen Front an einer neuen Front an und kesselte die Gegner zwischen polnischen und kaiserlichen Truppen ein. Ein konzentrierter Angriff von 18.000 überwiegend polnische Kavalleristen unter dem Befehl König Johannes III. Sobieski – der größte Kavallerieangriff der Geschichten-schlug die Osmanen Schließlich in die Flucht. Nach 15. Stunden des Kampfes war die Belagerung Wiens beendet. Die Osmanen ließen bei ihrer Flucht die gesamte Habe zurück, die später von den Polen geplündert wurde. Der König schrieb in einem Brief an seine Frau: Unerhörte Schätze sind nun unser…zelte, Schafe, Rinder und nicht wenige Kamele…Es ist ein Sieg, wie ihn zuvor noch niemand erlebt hat!
Der König von Polen und Litauen wurde im ganzen Land verehrt und von der gesamten Christenheit als Retter gefeiert.

Großwesir Kara Mustafa Pascha mit seinem gewaltigen Heer war vernichtend geschlagen. Sein Versagen sollte ihm sein Leben kosten. Am 25. Dezember 1683 wurde er im Palast in Belgrad auf Befehl von Sultan Mehmed IV. von dessen Janitscharen durch Erdrosselung mit einer Seidenschnur hingerichtet.

Wäre damals Wien gefallen, dann – so viel ist klar – gäbe es heute ein muslimisches Europa. Doch – und auch dies ist klar – wird Europa auch ohne Krieg zu einem Großteil ein muslimischer Erdteil. Aber es dauert noch etwa 60 Jahre.Der König von Polen und Litauen wurde im ganzen Land verehrt und von der gesamten Christenheit als Retter gefeiert.

Artikelbild: Quelle: WStLA – Wiener Archivinformationssystem

P. B.
Beirat für WPol im LV
November 2025


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