Wie der Tag entstandNationalfeiertag: Der lange Weg zum 26. OktoberÖsterreich feiert mit seinem Nationalfeiertag heute die immerwährende Neutralität. Am Heldenplatz in Wien und beim "Tag der offenen Tür" in den Regierungsgebäuden werden auch heuer wieder Hunderttausende Menschen zugegen sein. Der Weg zum endgültigen Termin des erst seit 1967 arbeitsfreien Feiertages war aber ein langer und beschwerlicher. Nicht zuletzt, weil man sich über Jahre nicht einig wurde, was zu feiern sei. Österreich ist mit seinem relativ jungen Nationalfeiertag freilich nicht allein. Weltweit gehen die meisten Nationalfeiertage auf Ereignisse aus dem 20. Jahrhundert zurück. Das liegt einerseits daran, dass die Idee der Nation selbst noch nicht sehr alt ist (Ende 18. Jahrhundert). Anderseits haben die zwei Weltkriege, das Ende der Kolonialherrschaften und der Zusammenbruch des Ostblocks immer wieder neue Staaten "entstehen lassen". Erste Republik feierte am 12. November Während der ersten Republik, konkret von 1919 bis 1934, war der 12. November der Staatsfeiertag für Deutschösterreich. Im Ständestaat wurde es der 1. Mai, was auch während des Nationalsozialismus so blieb. Vorgeschrieben war Tag als "Nationaler Feiertag des Deutschen Volkes", inszeniert wurde er von der Propagandamaschine als "Tag der nationalen Arbeit". Ab 1946 hat es - zumindest in Wien - Feiern am 13. April als dem "Tag der Befreiung" gegeben. Dieser Festtag verlor durch die andauernde Besatzung durch die Alliierten, die damals von großen Teilen der Bevölkerung für das Kriegsleid und die Trümmerfelder verantwortlich gemacht wurden, aber zunehmend an Akzeptanz. "Tag der Flagge" zunächst am 25. Oktober 1955, nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai, verordnete Unterrichtsminister Heinrich Drimmel, dass die Schulen am 25. Oktober den "Tag der Flagge" bzw. den "Österreichischen Unabhängigkeitstag" begehen sollten, wie aus den Forschungen des Historiker Gustav Spann (siehe Link unten) zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages hervorgeht. Dieser Tag war laut der im Staatsvertrag bestimmten 90-Tage-Frist jener, an dem der letzte alliierte Soldat Österreich verlassen musste. So lehrte man es Jahrzehnte später noch vielen Kindern: "Nationalfeiertag ist der Tag, an dem der letzte Soldat Österreich verlassen hat." Ein Jahr nach Drimmels Verordnung, 1956, verschob die Regierung unter Beteiligung des damaligen ÖVP-Ministers das Datum um einen Tag. Weil am 25. Oktober ja noch alliierte Soldaten im Land sein durften, sei man erst am 26. Oktober "endgültig frei" gewesen. Als weiterer (und bis heute einziger offizieller) Grund wurde schon damals die Erklärung der immerwährenden Neutralität am 26. Oktober 1955 angeführt. Als Bezeichnung wählte man "Tag der Fahne". In Drimmels Begründung hieß es: "Wie sich bei der Feier des Tages der Flagge im Herbst 1955 zeigte, erscheint es zweckmäßig, durch eine alljährlich zu begehende Nationalfeier [...] die Bedeutung des Wiedererstehens Österreichs als selbständigen neutralen Staat immer mehr bewusst zu machen." Von einem neuen Staatsfeiertag war damals noch nicht die Rede. Dieser wurde (und wird) am 1. Mai im Gedenken an das Wiederinkrafttreten der Verfassung von 1920 (Fassung 1929) am 1. Mai 1945 begangen. Nationalfeiertag am 26. Oktober und Neutralität Akzeptiert wurde der neue Tag der Fahne aber erneut nicht wirklich. Zumal er kein echter Feiertag (Stichwort: arbeitsfrei) war und sich die Feierlichkeiten fast ausschließlich auf die Schulen beschränkten. Drimmel merkte 1961 an, dass Österreich "das einzige Land Europas ohne Nationalfeiertag" sei. 1965 strengten sich dann Abgeordnete von ÖVP und SPÖ für eine gesetzliche Verankerung eines Nationalfeiertages - erneut bewusst nicht "Staatsfeiertag" - ein. Zur Diskussion standen damals der 15. Mai (Unterzeichnung des Staatsvertrages), der 12. November im Gedenken an die erste Republik, der 27. April (Unabhängigkeitsproklamation) und der 26. Oktober. Das Rennen machte der Tag im Oktober, dessen Beschluss nun einzig und allein mit dem Neutralitätsgesetz und nicht mehr auch mit dem Ende der Besatzung als Jubelgrund erklärt wurde. Zwei Jahre blieb der Tag dann noch ein Arbeits- und Schultag, 1967 erkannte man, dass den Österreichern der Feiertag nur dann ins Bewusstsein gerufen werden konnte, wenn die Arbeit ruhen darf.
Onlinequelle: www.krone.at/krone/S32/object_id__1036/hxcms/index.html
Geschichte des Nationalfeiertages von Gustav Spann
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